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Smart Baby als Zukunft der Kindererziehung?

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Stell dir vor, dein Kind hätte ein Augenimplantat, das dir erlauben würde, zu sehen, was es sieht und sogar zu beeinflussen, was es sehen kann. Ansichten, die Stress verursachen, könnten einfach verpixelt werden, um deinem Kind die Angst zu nehmen und es zu beschützen. Und das alles ganz einfach übers iPad.

So könnte die Zukunft aussehen, zumindest laut der Netflix Serie "Black Mirror". Aber wollen wir das wirklich? Es wird noch einige Zeit brauchen, bis wir in so einer Welt angekommen sind, aber schon jetzt gibt es technische Gadgets, die das Aufziehen von Kindern erleichtern und sie überwachen sollen. Ein paar davon möchte ich hier einmal vorstellen:

 

Pampers Smart Windel

Pampers hat vor, ein Überwachungssystem namens Lumi für Babys herauszubringen. Es wurde zusammen mit Logitech und Verily entwickelt und enthält einen Sensor, eine Full HD Kamera und eine dazugehörende App.

Der Sensor wird an einer normalen Pampers Windel angebracht, um sie "smart" werden zu lassen. Er registriert die Feuchtigkeit in der Windel und meldet der App, wenn sie gewechselt werden muss. Außerdem misst der Sensor die Bewegungen deines Kindes und zeichnet aktive Phasen und Schlafphasen auf.

Die Weitwinkelkamera hat eine Nachtsichtfunktion und besitzt eine Zwei-Wege-Audio-Verbindung, sodass du dein Kind nicht nur hören, sondern auch mit ihm sprechen kannst. Außerdem misst die Kamera die Zimmertemperatur und Luftfeuchtigkeit.

In der App kannst du zusätzlich noch manuell Daten aufzeichnen, zum Beispiel wann dein Kind gegessen oder etwas Neues gelernt hat.

Somit eignet sich das System für die Erfassung von Routinen und hilft laut Pampers dabei, die Entwicklung deines Kindes besser zu verstehen.

Im Herbst 2019 soll Lumi in den USA angeboten werden, zunächst aber nur online und der Preis ist noch nicht bekannt.

 

Owlet Smart Sock

Die schlaue Socke von Owlet überwacht die Herzfrequenz und den Sauerstoffanteil im Blut deines Babys und informiert dich, wenn ein Wert aus der Norm fällt. Das Set besteht aus der Socke – die eigentlich eher ein Stück Stoff mit Klettverschluss zum Umwickeln des Fußes ist, dem Sensor, einer Basisstation und der Owlet App.

Ein Paket kommt mit drei Socken in den Größen von 0-18 Monaten. Die Basisstation leuchtet im Normalfall grün, um dich wissen zu lassen, dass alles in Ordnung ist und macht sich mithilfe von Licht- und Audiosignalen bemerkbar, falls etwas nicht stimmen sollte. In der App kann man Benachrichtigungen erhalten oder in Echtzeit die gemessenen Werte überwachen.

Das Set kostet ca. 280 Euro bei Amazon. Demnächst soll wohl auch eine Tag- und-Nacht-Sicht - Kamera mit dem Set verkauft werden.

 

Baby Wearables

Neben der Smart Sock gibt es noch zahlreiche andere sogenannte Wearables, mit denen die Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt messen kann. Dabei können die Sensoren an Arm, Fußknöchel oder Strampler befestigt werden. Alle diese Gadgets sind darauf ausgelegt, Atemaussetzer und plötzlichen Kindstod frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Sie sind vor allem in Amerika beliebt und hier in Deutschland noch nicht so weit verbreitet. 80 Euro muss man mindestens für die Sensoren ausgeben.

 

Audioline Babysense Matte

Genau wie andere Sensormatten ist Audioline Babysense dazu bestimmt, unter die Matratze gelegt zu werden und die Atmung und Bewegung des Babys zu überwachen. Die Matte gibt es in verschiedenen Sets mit einer Kontrolleinheit und wahlweise auch mit Kamera. Die patentierte Sensortechnologie soll selbst Mikrobewegungen erkennen und das Gerät schlägt hörbaren Alarm, wenn dein Kind sich länger als 20 Sekunden nicht bewegt oder weniger als 10 Atemzüge pro Minute macht. Das System funktioniert mit Batterien und braucht so kein störendes Kabel. Der Preis variiert von Set zu Set, beginnt aber bei ca. 100 Euro.

 

Schön und gut, aber bringt das was?

Die Smart-Windel ist sicherlich ein cooles Gadget, aber man kann auch herausfinden, ob eine Windel gewechselt werden muss, indem man nachschaut. Insofern sollte man sich überlegen, ob man diesen Luxus braucht.

Die Überwachungsgadgets sind in erster Linie dazu da, frischgebackene Eltern zu beruhigen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Sie sollen alarmieren, wenn das Kind zu wenig Luft bekommt, aus dem Bett rollt oder sich Hinweise auf plötzlichen Kindstod bemerkbar machen. Allerdings gibt es auch einige negative Punkte.

Die Wahrscheinlichkeit für Fehlalarme ist hoch, zum Beispiel durch das Verrutschen der Geräte aufgrund der Bewegungen des Babys oder durch Pannen. Und auch das Nichtauslösen des Alarms kann für Stress sorgen, denn woher soll man wissen, dass das Gerät einwandfrei funktioniert?  Meistens sind Alarme auch nicht gleich ein Grund für eine Behandlung in der Notaufnahme, sagen Experten, doch meistens fahren besorgte Eltern trotzdem dorthin.

Außerdem gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass im Vergleich zu einem professionellen Gerät auf die Messdaten in Home-Gadgets nicht immer Verlass ist. Während einige Geräte (wie zum Beispiel auch die Smart Sock) nur manchmal einen bestehenden Sauerstoffmangel erkannt, erkannten andere (zum Beispiel eine ähnliche Socke von Baby Vida) ihn gar nicht. Außerdem zeigen manche auch eine verlangsamte Herzfrequenz an, die eigentlich nicht existierte. Aufgrund dieser Tatsachen raten viele Ärzte und Experten von den Geräten ab.

Letztendlich ist es dir selbst überlassen, Smart Gadgets zu kaufen, um dein Baby zu überwachen. Es ist nicht bewiesen, ob die Geräte wirken und es ist auch nicht sicher, wie genau die Messdaten sind. Aber sie könnten auch einwandfrei funktionieren und dein Kind retten. Und es ist auf jeden Fall beruhigend zu wissen, dass man diese Daten abrufen kann. Deswegen solltest du überlegen, ob dir diese technische Hilfe wichtig ist oder du einfach auf deine Intuition als Elternteil vertraust.

Ich persönlich finde, dass die technischen Hilfsmittel zwar ganz cool sind, aber ihr Geld nicht wirklich wert. Außerdem gibt es zu viele Nachteile für meinen Geschmack.  Und um auf "Blackmirror" zurückzukommen, schau dir mal die zweite Folge der vierten Staffel - "Arkangel" - an (Und alle anderen Folgen, denn die Serie ist echt gut und in jeder Folge gibt es eine neue Geschichte, das heißt man darf auch durcheinander schauen!), dann weißt du, wie das mit der technischen Überwachung enden kann. 😉

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